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Illustration: ein Containerterminal bei Nacht
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Analysen · Häfen

Antwerpen beschlagnahmt weniger Kokain. Wo ist es geblieben?

Im ersten Halbjahr 2026 stellte der Zoll in Antwerpen ein Drittel dessen sicher, was er ein Jahr zuvor gefunden hatte. Dann folgten in einer einzigen Septemberwoche drei Funde — einer davon fast 2,4 Tonnen. Was die Zahlen aussagen und was nicht.

Von Meridian Technologies

Die Zahlen

  • Der Trend: Im Jahr 2023 stellte Antwerpen 116 Tonnen Kokain sicher, 2024 waren es 44 und 2025 rund 55 Tonnen.
  • Erstes Halbjahr 2026: 5,4 Tonnen bei 28 Sicherstellungen, gegenüber 16,7 Tonnen bei 82 Sicherstellungen ein Jahr zuvor. Nach Angaben des Zolls hat Antwerpen seinen Platz als Europas Kokainhafen Nummer eins verloren — wegen strengerer Kontrollen, der Strafverfolgung in Herkunfts- und Transitländern und sich verlagernder Routen.
  • Anderswo: Im selben Zeitraum stellte der niederländische Zoll 20 % mehr sicher — 19,3 Tonnen, überwiegend über Rotterdam. Spanien beschlagnahmte rund 30 Tonnen.
  • September in Antwerpen: 120 kg in Containern mit Obst aus Costa Rica und Peru; einen Tag später 117 kg in Sporttaschen in einer Chemieladung aus Chile; zwei Tage darauf 2.390 kg unter Bananen. Und ein Container mit „Flüssigseife“ aus Kolumbien enthielt in Wahrheit verflüssigtes Kokain. Die föderale Kriminalpolizei hatte ihn markiert; Zollkontrolleure bestätigten den Verdacht, weil ihnen ein chemischer Geruch auffiel.

Wie es aus dem Hafen gelangt

Am häufigsten wird nach wie vor die Rip-off-Methode angewandt: Das Kokain wird in einem Container mit legaler Ladung versteckt und herausgeholt, bevor ihn jemand kontrolliert. Das funktioniert nur mit Insidern.

  • Gestohlene PIN-Codes. Nach Schätzung von Europol gelangten auf diesem Weg mindestens 200 Tonnen durch die Häfen von Antwerpen, Rotterdam und Hamburg/Bremerhaven, gestützt auf Netzwerke korrupter Insider. Antwerpen hat die PIN-Codes inzwischen durch Certified Pick-up ersetzt; seit Mai 2024 sind sie wirkungslos.
  • Die Schmuggler passen sich an. Ladungen werden in kleinere Partien aufgeteilt, Ware wird auf See umgeladen oder über Bord geworfen, und „Auslader“ — oft sehr jung — verstecken sich auf den Terminals, um die Ware herauszuholen.
  • Festnahmen. Im Jahr 2025 nahm die Wasserschutzpolizei im Hafen 207 Personen im Zusammenhang mit Drogen fest. Unter ihnen waren 191 Auslader und 41 Minderjährige.

Es bleibt nicht im Hafen

  • Brüssel: Seit Anfang 2025 wurden 170 Schießereien gezählt. Die Staatsanwaltschaft bringt sie mit Gruppen aus dem Drogenhandel in Verbindung.
  • Niederlande: In Overasselt wurden Anfang September bei einem Gewaltausbruch ein Sicherheitsmann getötet und zwei Polizeibeamte schwer verletzt. Danach tauchte ein Drohvideo auf, das die Rückgabe einer verschwundenen Drogenlieferung forderte.

Die Hinweise gibt es — an verschiedenen Stellen

WerSieht
Der Zolldie Zollanmeldung und das Scanbild
Das TerminalContainerbewegungen und das Tor
Die WasserschutzpolizeiZutrittsausweise und Streifen
Das Transportunternehmendie Abholung
Die föderale Kriminalpolizeidie Ermittlungserkenntnisse

Der Antwerpener Stroomplan bringt Polizei, Staatsanwaltschaft, Sozialinspektion und Zoll bereits unter einem Dach zusammen — der Bedarf ist erkannt. Doch jede Seite arbeitet weiterhin in ihren eigenen Systemen, und rechtlich können sie nicht einfach alles zusammenlegen.

Mit einem gemeinsamen Lagebild

  • Jeder Beteiligte behält seine eigenen Systeme. Das gemeinsame Lagebild läuft in einer Umgebung, die die Beteiligten selbst kontrollieren, übernimmt aus jedem System nur, was das Lagebild braucht, und zeigt jedem nur die Ebenen, für die er freigegeben ist.
  • Aus Hinweisen wird ein Fall. Ein markierter Container, ein auffälliger Zutrittsausweis und ein Lkw am falschen Tor werden zu einem Fall — solange der Container noch am Kai steht.

Vom Hinweis zum Täter

  1. 01

    Der Auslader auf dem Terminal

    Kameras und Drohnen entlang der Containerstapel erkennen Personen dort, wo sich nachts niemand aufhalten sollte. Die nächste Streife wird mit Standort und Livebildern losgeschickt — bevor die Ware das Terminal verlässt.

  2. 02

    Der Insider

    Ein Ausweis wird an einem Terminal benutzt, an dem sein Inhaber keine Schicht hat. In der Nähe steht ein Container, den der Zoll markiert hat. Im selben Moment wird eine Abholung angefordert. Einzeln sind das drei Protokolleinträge, zusammen ein Alarm. Der Zugang zu dieser Art von Analyse ist zweckgebunden, und jede Abfrage wird protokolliert.

  3. 03

    Das Netzwerk

    Sicherstellungen werden Fall für Fall bearbeitet. Übereinandergelegt — Routen, Frachtarten, Transporteure, Zeitpunkte — zeigen sie Muster, die keine einzelne Sicherstellung erkennen lässt. Und weil sich die Ströme verlagern, weg von Antwerpen, hin zu Rotterdam, muss das Lagebild Terminals, Häfen und, wo das Gesetz es erlaubt, Grenzen umfassen.

  4. 04

    Beweise, die standhalten

    Sky ECC hat gezeigt, wie weit datengestützte Beweisführung reichen kann: 1.206 Verurteilte in fünf Jahren, darunter korrupte Hafenarbeiter und Lkw-Fahrer. Jede Abfrage in Meridian wird protokolliert: wer was gefragt hat und auf welcher Rechtsgrundlage. So kann die Analyse vor Gericht bestehen.

Was Meridian konkret einrichten würde

Anbinden
  • Zollanmeldungen, Risikomarkierungen und Scanergebnisse
  • Die Terminal-Betriebssysteme (TOS): Stellplätze, Bewegungen und Freigabestatus der Container
  • Tor-, Zutrittskontroll- und Ausweissysteme der Terminals und des Hafens
  • Die Plattform Certified Pick-up: wer welchen Container abholen darf
  • Kameras und Drohnen entlang der Kais und Containerstapel
  • Streifen und Vorfallberichte der Wasserschutzpolizei; für Ermittlungen Daten zu Sicherstellungen und Verfahren — auf gesetzlicher Grundlage abgefragt, nie zusammengelegt
Aufbauen
  • Ein Lagebild des Hafens, mit eigenen Ebenen für Zoll, Wasserschutzpolizei, jedes Terminal und die Hafenbehörde
  • Regeln, die Hinweise verknüpfen: markierter Container + Zutrittsausweis ohne Schicht + Abholanfrage → ein Alarm, solange der Container noch am Kai steht
  • Nächtliche Erkennung zwischen den Containerstapeln: Personen, wo niemand sein sollte → nächste Streife mit Standort und Livebildern
  • Ein terminalübergreifendes Archiv der Sicherstellungen — wo Vereinbarungen es erlauben, auch hafenübergreifend — zum Vergleich von Routen, Frachtarten, Transporteuren und Zeitpunkten
Betreiben
  • In der Sicherheitszentrale des Hafens, bei der Risikoanalyse des Zolls und auf den Diensthandys der Streifenbeamten
  • Auf europäischen Servern, mit den Verschlüsselungsschlüsseln in der Hand der Organisationen des Hafens selbst

Beispielhafter Aufbau — jede Einführung wird gemeinsam mit dem Betreiber gestaltet. Quellsysteme bleiben, wo sie sind; die Datenschicht von Meridian läuft in der eigenen Umgebung des Betreibers.

Weniger Sicherstellungen in Antwerpen sind ein Fortschritt. Sie bedeuten aber auch, dass der Handel neue Routen sucht — und neue Leute. Wer sie schneller finden will, muss verknüpfen, was Hafen, Zoll und Polizei bereits wissen.

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