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Illustration: ein Hafen und sein Verkehrsnetz bei Nacht, überlagert von Live-Spuren und einer Aktivitätskarte
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Analysen · Leitfaden · Begriffe

Was ist ein gemeinsames Lagebild?

Eine geteilte, aktuelle Sicht auf eine Lage, mit der alle Beteiligten arbeiten. Das klingt einfach — und doch haben die meisten Organisationen, die kritische Infrastruktur schützen, noch keine. Was ein gemeinsames Lagebild ist, was hineingehört und woran Sie ein echtes von einem Dashboard unterscheiden.

Von Meridian Technologies

Die kurze Definition

Der Begriff stammt aus der militärischen Führung: Ein gemeinsames Lagebild (englisch Common Operational Picture, COP) ist die eine Darstellung, auf der mehrere Kommandos dieselbe Lage sehen. Der zivile Bevölkerungsschutz hat ihn übernommen. Die US-Doktrin für das Einsatzmanagement, NIMS, beschreibt es als Bild, das „offers an overview of an incident thereby providing incident information enabling the Incident Commander/Unified Command and any supporting agencies and organizations to make effective, consistent, and timely decisions“ — also einen Überblick, mit dem Einsatzleitung und alle beteiligten Stellen wirksam, einheitlich und rechtzeitig entscheiden können.

Einfach gesagt: Ein gemeinsames Lagebild beantwortet für alle gleichzeitig vier Fragen — wo ist alles, was geschieht, seit wann, und wer handelt.

Ein Lagebild ist gemeinsam, wenn Leitstelle, Streife und Krisenstab auf dieselben Fakten schauen — nicht, wenn jeder von ihnen einen Bildschirm hat.

Europa arbeitet schon so — an manchen Stellen

  • Deutschland: Das Gemeinsame Melde- und Lagezentrum von Bund und Ländern (GMLZ) beim BBK erstellt „ein auf Deutschland bezogenes Lagebild bevölkerungsschutzrelevanter Ereignisse im In- und Ausland nahezu in Echtzeit“.
  • Niederlande: Die 25 Sicherheitsregionen (veiligheidsregio’s) arbeiten „netzwerkzentriert“ in LCMS, dem nationalen Krisenmanagementsystem, das Krisenpartner nutzen, „um ein aktuelles und gemeinsames Bild zu pflegen“ — Text, Dokumente und Karten, über Organisationsgrenzen hinweg geteilt, vom Nationalen Krisenzentrum und den Wasserverbänden bis zu Trinkwasserversorgern und Streitkräften. Betrieben wird es vom Niederländischen Institut für öffentliche Sicherheit (NIPV).
  • Frankreich: Die Sécurité civile nutzt SYNAPSE, ein digitales Entscheidungsunterstützungssystem für Krisenlagen, das Ereignisinformationen mit der Zonen- und der nationalen Ebene teilt.

Diese Systeme dienen Krisenstäben. Die Betreiber der Infrastruktur selbst — die Netzleitstelle, der Sicherheitsdienst im Hafen, die Betriebszentrale der Bahn — arbeiten meist noch mit ihren eigenen Bildschirmen. Und dort beginnen Vorfälle.

Was ohne geschieht

Im Juli 2021 kamen bei der Flut im Ahrtal 135 Menschen ums Leben. Der Untersuchungsausschuss des Landtags Rheinland-Pfalz stellte später fest, „dass in der Technischen Einsatzleitung des Landkreises Ahrweiler das verheerende, tatsächliche Ausmaß der Katastrophe bis tief in die Nacht, teilweise noch bis zum nächsten Nachmittag, unterschätzt und nicht bzw. erst zu spät erfasst worden ist“.

Ohne gemeinsames Lagebild entscheiden die Verantwortlichen über die Lage, die sie sehen können — nicht über die, die es gibt.

Was hineingehört

  • Wo: die Positionen eigener Kräfte, Anlagen, Fahrzeuge, Drohnen und Sensoren — live.
  • Was: Vorfälle, Alarme und Meldungen, jeweils mit Status: gemeldet, bestätigt, abgearbeitet.
  • Wann: die Vorgeschichte jedes Elements, sodass sich das Lagebild zurückspulen lässt.
  • Wer: welches Team welchen Vorfall und welche Aufgabe verantwortet.
  • Kontext: die festen Ebenen — Standorte, Zäune, Kabeltrassen, Zonen, Pläne.
  • Quelle: woher jedes Element stammt und wie verlässlich es ist.

Oft verwechselt mit

Oft verwechselt mitDer Unterschied
Einem DashboardZeigt Kennzahlen über eine Lage. Ein gemeinsames Lagebild zeigt die Lage selbst, in Raum und Zeit.
Einem GIS oder KartenviewerZeigt, wo Dinge sind. Ein gemeinsames Lagebild zeigt auch, was live mit ihnen geschieht und wer handelt.
Einer Videowand oder einem PSIMBündelt Alarme und Kameras einer Organisation. Ein gemeinsames Lagebild wird über Organisationen hinweg geteilt und schließt die Kräfte vor Ort ein.
Einem EinsatztagebuchHält im Nachhinein in Worten fest, was geschah. Ein gemeinsames Lagebild verortet es auf der Karte und in der Zeit, während es geschieht.

Warum die meisten Organisationen noch keines haben

  • Jede Organisation hat ihre eigenen Bildschirme. Polizei, Betreiber, Feuerwehr und Sicherheitsdienst sehen jeweils einen Teil.
  • Zuerst ein Datenprojekt. Viele Projekte wollen erst alles in einem zentralen Speicher sammeln, bevor irgendjemand ein Lagebild sieht — und dieser Speicher hinkt Minuten oder Tage hinterher.
  • Teilen ist rechtlich schwierig. Nicht jeder darf alles sehen. Ohne Ebenen nach Rolle und Rechtsgrundlage wird schlicht nicht geteilt.
  • Die Kräfte vor Ort sind offline. Streifen in Funklöchern fallen aus dem Lagebild — genau dann, wenn es darauf ankommt.
  • Das Telefon füllt die Lücke. Wo Systeme nicht verbunden sind, wird telefoniert — und Anrufe hinterlassen keine Spur.

Was ein gutes Lagebild braucht

  1. 01

    Live, nicht aktualisiert

    Sekunden, nicht der nächste Lagebericht.

  2. 02

    Geteilt, aber in Ebenen

    Jede Organisation sieht, was ihre Rolle und Rechtsgrundlage erlauben — und jede Abfrage wird protokolliert.

  3. 03

    Zeit, die sich zurückspulen lässt

    Jeden Moment erneut abspielen — für Nachbesprechung, Auswertung oder Ermittlung.

  4. 04

    Nachvollziehbar

    Jedes Element zeigt seine Quelle; jede Entscheidung wird festgehalten, während sie fällt.

  5. 05

    Funktioniert, wenn das Netz es nicht tut

    In getrennten Netzen und in Funklöchern, mit Synchronisation, sobald die Verbindung zurück ist.

  6. 06

    Die Quelle bleibt maßgeblich

    Quellsysteme bleiben das führende System; das Lagebild speichert nur, was es braucht, mit einem Verweis auf die Quelle.

  7. 07

    Unter eigener Rechtshoheit

    Ein gemeinsames Lagebild bündelt Ihre sensibelsten Informationen an einem Ort. Wer zur Herausgabe gezwungen werden kann, ist entscheidend.

Wie Sie anfangen

  1. 01

    Einen Vorfalltyp wählen, der wehtut

    Ein Eindringen an einem abgelegenen Standort, eine Drohne über dem Perimeter, eine Kabelstörung, hinter der Sabotage stecken könnte.

  2. 02

    Auflisten, was die Leitstelle schon nutzt

    Alarme, Kameras, Funk, Fahrzeugortung — und die Tabellen und Telefonnummern, die nie jemand aufgeschrieben hat.

  3. 03

    Anbinden, nicht migrieren

    Die Quellen so anbinden, wie sie sind, statt mit einem Migrationsprojekt zu beginnen.

  4. 04

    Festlegen, wer welche Ebene sieht

    Vor dem ersten Vorfall, nicht währenddessen.

  5. 05

    Üben — und zurückspielen

    Eine Übung durchführen, sie zurückspulen und beheben, was im Lagebild fehlte.

So wird aus vielen Bildschirmen ein digitales Lagebild, das alle teilen.

Was Meridian konkret einrichten würde

Anbinden
  • Alarme, Zutrittskontrolle und Kameras aller Standorte — gleich welcher Hersteller
  • Positionen von Fahrzeugen und Streifen, und Drohnenvideo, wo Drohnen fliegen
  • Meldungen aus Leitstelle, von Kräften vor Ort und Partnerorganisationen, jeweils mit Zeit und Ort
  • Bestehende Datenbanken und Anlagenregister — so angebunden, wie sie sind, ohne Migration
Aufbauen
  • Eine Live-2D/3D-Karte mit Ebenen je Organisation und Rolle
  • Einen Vorfallablauf vom Alarm über Verifikation und Disposition bis zum Abschluss — festgehalten auf einer gemeinsamen Zeitachse
  • Ein abspielbares Archiv für Nachbesprechungen, Übungen und Ermittlungen
Betreiben
  • In der Leitstelle, im Krisenstab und auf den Telefonen der Kräfte vor Ort
  • Auf Ihren eigenen Servern oder in einer souveränen Cloud — der vollständig vom Netz getrennte Betrieb steht auf unserer Roadmap

Beispielhafter Aufbau — jede Einführung wird gemeinsam mit dem Betreiber gestaltet. Quellsysteme bleiben, wo sie sind; die Datenschicht von Meridian läuft in der eigenen Umgebung des Betreibers.

Ein gemeinsames Lagebild ist kein Bildschirm. Es ist eine Übereinkunft darüber, was gerade wahr ist — und die Software, die diese Übereinkunft aktuell hält.

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